Wieder einmal nimmt Mely Kiyak uns mit in ihren Alltag, streift mit uns durch Berlin, ihre Familie, die Nachbarschaften und sammelt Geschichten, die mal am Wegesrand, mal mitten auf dem Tisch, mal zwischen Supermarktregalen liegen. Allen kurzen Episoden gemeinsam ist der „Gute Moment“ in ihnen, der kleine Perspektivwechsel, nach dem viele sich angesichts düsterer Weltpolitik gerade oft sehnen. Mit der ihr eigenen lakonischen Akkuratesse schweift Kiyak immer wieder ab, ins drängend Gesellschaftspolitische oder auch mal in das langsam Philosophische. „Nebenbeibeobachtungen“ nennt sie das, arrangiert in einer „Kartographie des Alltags“. Doch wer ihre Kolummnen kennt, weiß wie schnell die Kiyak’sche Leichtigkeit in bitterböse Wahrheit umschlagen kann, die irgendwo trifft, wo es weh tut, bestürzend komisch oder ganz einfach schön ist. Schreiben ist Beobachten, Stehenbleiben, Zuhören. Im Windschatten von Mely Kiyaks eindringlicher Sprache und ihrem empathischen Blick auf die Menschen wünschte ich, dass der Spaziergang durch dieses geliebte, hässliche, kantige und unendlich schöne Berlin nie enden möge. (Kerstin Follenius)